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Bürger stehen zu Kirche und Altenheim

Bild Unterschriftenaktion Wallenfels
Datum:
Veröffentlicht: 30.5.23
Von:
Susanne Deuerling

„Wir für St. Thomas“ und „Wir für St. Elisabeth“ waren die Schlagwörter der Kampagne

Das symbolische Hämmern an der Kirchentür soll in Bamberg gehört werden, sowohl beim Caritasverband als auch beim Erzbistum Bamberg, es soll gehört werden von den Verantwortlichen, die sich wie so oft über die Wünsche der Bürger hinwegsetzen, von oben herab entscheiden und wo oft die Transparenz der Anordnungen nicht gegeben ist. Der Widerhall in der Bevölkerung, nicht nur in der Stadt Wallenfels und den Ortsteilen, sondern auch in den umliegenden Gemeinden und sogar auch von vielen Ortsfremden, war enorm. „Wir finden es toll, dass ihr euch einsetzt für etwas und was unternehmt“, war die Resonanz auf die ausgelegten Unterschriftslisten, einmal „Wir für St. Elisabeth“ und einmal für „Wir für St. Thomas – Weiter denken, mutig handeln – damit die Kirche im Ort bleibt“. Die Listen werden nun mit einem Schreiben an die Ordinariatskonferenz in Bamberg (Pfarrei) und den Caritasvorstand, Caritaskreisverband Kronach sowie den Diözesanpräses geschickt. „In Bamberg sollen sie sehen, dass man nicht alles mit uns machen kann, wir wollen informiert und in den Entscheidungsprozess eingebunden werden“ – so die einhellige Meinung.

Alten- und Pflegeheim St. Elisabeth

Worum geht es in diesem Aufschrei der Bevölkerung? Da ist zum ersten das Caritas Altenheim St. Elisabeth, seit 70 Jahren fester Bestandteil der Stadt Wallenfels. Erst war es ein Krankenhaus, dann ab 1965 ein städtisches Altenheim. Seit 30 Jahren ist die Caritas Träger dieser Einrichtung, die Grundsteinlegung fand am 14. Juni 1991 statt. Heute stehen im Haus 85 Plätze zur Verfügung, davon 15 im beschützenden Bereich. Es gibt eine eigene, hervorragende Küche, eigene Wäscherei und vor allem eine eigene gut genutzte Kapelle. Viele Menschen in Wallenfels engagieren sich hier auf unterschiedlichste Art. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen durch ihre professionelle und liebevolle Pflege, der Besuchsdienst seit 40 Jahren durch ihre Zuwendung, genau wie viele Vereine und Organisationen dies ehrenamtlich tun.

Seit dem Frühjahr 2022 brodelt es jedoch gewaltig und die Pläne der Caritas, evtl. einen Neubau des Altenheimes in Zeyern zu verwirklichen, sorgen für viel Diskussionen. Man würde in der Stadt nicht nur eine wichtige soziale Einrichtung verlieren und den größten Arbeitgeber, sondern auch einen Teil dessen, was die Stadt lebens- und liebenswert macht. Deshalb hat die Stadt Wallenfels dem Caritasverband ein attraktives Angebot für einen neuen Standort gemacht. In einer großen Unterschriftenaktion hat man nun festgestellt, dass sehr viele Bürger zu „ihrem“ Altenheim stehen, 712 Unterschriften wurden gesammelt, nicht gegen etwas, sondern für etwas. Nämlich für ihr Altenheim St. Elisabeth stimmen, einen Appell zum Nachdenken geben und damit vielleicht auch den Caritasverband zum Umdenken zu bringen. Wenn die Betriebserlaubnis in 12 Jahren abläuft, muss etwas geschehen, doch bis dahin wird Wallenfels um „sein“ Altenheim kämpfen. Man habe in den vergangenen Jahren so viele Projekte zusammen mit der Caritas verwirklicht, da wäre es schon seltsam, wenn man hier einfach so zur Seite geschoben würde.

Pfarrgemeinde St. Thomas

Die Pfarrei Wallenfels hatte es in den letzten Jahren wirklich nicht leicht. Die Missbrauchsfälle um den ehemaligen Pfarrer, die Ankündigung, das Altenheim aufgeben zu wollen und nun die Mitteilung, dass der Dienstsitz des Pfarrers von Wallenfels nach Steinwiesen verlegt werden soll – all das sind keine guten Neuigkeiten. Aber die Wallenfelser wollten kämpfen und da zogen alle Ortsteile bzw. Pfarrgemeinderäte an einem Strang. Mit der Unterschriftenaktion, die beim Weihnachtsmarkt 2022 begonnen hat, hat man viele Wallenfelser Bürger aber auch Auswärtige für das Geschehen interessiert, sodass am Ende 856 Unterschriften zusammengekommen sind. Wallenfels ist die größte Pfarrei im Seelsorgebereich Frankenwald und es wäre ein Unding, wenn sie ohne Dienstsitz und sogar ohne Pfarrer dastehen würde.

Wie so oft wurden Entscheidungen von ganz oben getroffen, ohne die örtlichen Gegebenheiten überhaupt in Betracht zu ziehen – so könnte man das Prozedere eigentlich benennen. Gerade der Umgang mit den Ehrenamtlichen, die ja die ganze kirchliche Struktur in den Gemeinden am Leben erhalten, ist ein Skandal und leider zu einem unschönen Merkmal der katholischen Kirche geworden. Wallenfels ist eine Gemeinde, in der das kirchliche Leben und Miteinander noch großgeschrieben wird. Egal ob die Jugend oder die Senioren, sie alle stehen hinter „ihrer“ Kirche. Aber wie lange noch? Wenn solche Entscheidungen über die Köpfe hinweg getroffen werden, man vor vollendete Tatsachen gestellt wird, was kann man da von den Menschen erwarten? Die Pfarrgemeindevorsitzenden Jan Regel (Wallenfels), Maricka Wiedel (Schnaid), Michael Schütz (Neuengrün) und Carola Schuberth (Wolfersgrün) kämpfen nicht gegen eine Sache, sondern dafür, den Dienstsitz in Wallenfels zu halten und vor allem gegen die Art und Weise, wie die Pfarrei behandelt wird. Der Entscheidungsprozess hierzu war nicht transparent, man betone aber, dass sich der Protest nicht gegen den Pfarrer Richard Reis aus Steinwiesen richtet. Wie hat der inzwischen emeritierte Erzbischof Ludwig Schick den Gläubigen bei der Gemeindeversammlung am 11.10.2022 in Wallenfels gesagt? „Kämpfen Sie für Wallenfels! Wer kämpft, erreicht nicht alle seine Ziele, aber trägt dazu bei, dass das Bestmögliche für alle Beteiligten erreicht wird.“ Dies umfasst alle Bereiche, die die Pfarrei Wallenfels und die dazugehörenden Ortsteile und Filialen beschäftigen. Natürlich besonders diese beiden Unterschriftsaktionen. Deshalb haben die Gläubigen auch nach dieser Empfehlung gehandelt. Mehr Informationen und die Hintergründe findet man auch im Internet unter der Homepage der Pfarrei Wallenfels www.pfarrei-wallenfels.de/mutig-handeln